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Zweckbestimmung

Quantitative Messung von humanem insulinähnlichem Wachstumsfaktor I (IGF-I) in menschlichem Serum oder Plasma.

In Kombination mit Wachstumsverzögerung und anderen klinischen Symptomen können die Ergebnisse dieses Testsystems als zusätzliche Information verwendet werden, um Störungen der Wachstumshormonachse zu beurteilen.

Einführung

Insulin-like growth factors (IGF)-I und-II spielen eine Schlüsselrolle bei der Regulation von Proliferation, Differenzierung und spezifischer Funktionen vieler Zelltypen (1-3). IGF-I ist identisch mit Somatomedin C (SmC) (4) und hat ein Molekulargewicht von 7649 Dalton (5). Seine wichtigsten Regulatoren sind das Wachstumshormon (WH) und die Ernährung (6), wenn auch seine Synthese in spezifischen Geweben durch eine Vielzahl troper Hormone und anderer Peptid-Wachstumsfaktoren beeinflusst wird. Im Gegensatz zu vielen anderen Peptidhormonen sind IGFs mit hoher Affinität an spezifische Bindungsproteine (IGFBP) gebunden.

Sieben Klassen von Bindungsproteinen sind derzeit bekannt (7,8,22). Sie binden entweder IGF-I und IGF-II mit ähnlicher Affinität oder weisen eine Präferenz für IGF-II auf (9,10). Ein Hauptproblem bei der Messung von IGF-I resultiert aus der Interferenz mit IGFBPs im Assay. Die direkte Bestimmung in unbehandelten Serumproben (11) führt zu falschen Ergebnissen, weil auf Grund der extrem langsamen Dissoziation des IGF-I/IGFBP-3-Komplexes während der Assay-Inkubationszeit nur ein Teil des IGF-I der Messung zur Verfügung steht. In Abhängigkeit vom Verhältnis von IGF-I zu IGFBPs in der Probe kommt es zu Interferenzen: (s. beispielhaft in Abb.1)

Abb. 1: Interferenz von IGFBP bei IGF-I-Messungen. Bekannte IGFI- Konzentrationen wurden in Gegenwart von 0,5 ng (links) bzw. 5 ng (rechts) hIGFBP-3 mit einem konventionellen RIA ( □) oder dem IGFBP-blockierten RIA (ӿ) gemessen.

Deshalb wurden verschiedene Verfahren entwickelt, um vor der eigentlichen Messung IGF-I von seinen Bindungsproteinen abzutrennen: (a) Ausschlusschromatographie unter sauren Bedingungen, (b) Festphasenextraktion und (c) Säure-Alkohol-Extraktion (2,12,13). Diese Methoden sind jedoch entweder umständlich und zeitaufwendig oder führen zu unvollständiger und vor allem nicht reproduzierbarer Wiederfindung.

Die am weitesten verbreitete Methode ist die Säure-Alkohol-Extraktion (13,14). Infolge von Co-Präzipitation ergibt sie jedoch nur eine Ausbeute von 70 - 80 % des gebundenen IGF-I. Die gemessenen Absolutwerte nach einem solchen Extraktionsschritt sind deshalb falsch niedrig (15). Die Extraktionsprozedur führt zu einer Vorverdünnung der Proben und dadurch zu einer verminderten Sensitivität des Assays. Zudem wird durch die Extraktion IGFBP nur unzureichend entfernt. Die im Extrakt verbleibenden IGFBPs können den Assay immer noch stören. Abgesehen von Serum oder Plasma ist die Säure-Alkohol-Extraktion in anderen Proben (z.B. Zellkulturmedien) völlig ineffektiv. Gerade hier ist die IGF-I-Bestimmung besonders schwierig, da diese Proben häufig einen hohen Überschuss an IGFBPs enthalten.

Klinische Bedeutung

Abgesehen von WH beeinflusst eine Anzahl von Faktoren den Serum-IGF-I-Spiegel. Erniedrigte Werte werden bei Malnutrition/Malabsorption, Hypothyreose, Lebererkrankungen, unbehandeltem Diabetes mellitus, chronisch entzündlichen Erkrankungen (1,6), malignen Erkrankungen oder Polytrauma gefunden. Hohe Spiegel lassen sich bei Pubertas praecox oder Adipositas finden. Entscheidend für die korrekte Interpretation von IGF-I-Bestimmungen ist die Berücksichtigung der Altersabhängigkeit der IGF-I-Spiegel. Auf Grund seiner WH-Abhängigkeit sind Bestimmungen von Serum-IGF-I für die Diagnostik von Wachstumsstörungen von großem Nutzen, speziell im Hinblick auf WH-Mangel oder Akromegalie (6,16–19, 23, 24).

Der wichtigste Vorteil der IGF-I-Bestimmung im Vergleich zur WH-Bestimmung ist seine stabile zirkadiane Konzentration, d.h. eine Einzelmessung ist ausreichend informativ. IGF-I -Bestimmungen sollten deshalb in der Labordiagnostik an erster Stelle stehen. Eindeutig normale Spiegel schließen eine Störung der WH-IGF-I-Achse aus. Niedrige Spiegel, d.h. Spiegel nahe oder unter der altersbezogenen 5. Perzentile machen weitere diagnostische Schritte notwendig. Subnormale IGF-I-Spiegel können ein Anzeichen für ein eingeschränkte WH-Sekretion sein, falls andere Ursachen für niedriges Serum-IGF-I wie Mangelernährung oder eine beeinträchtige Leberfunktion ausgeschlossen sind. Für die Unterscheidung von gesunden minderwüchsigen Kindern ohne WH-Mangel von Kindern mit "klassischem" WH-Mangel erwies sich die 0,1. Perzentile als günstige Trenngrenze. Dies gilt speziell ab einem Alter von 8 Jahren. Es muss jedoch angemerkt werden, dass kleinwüchsige Kinder ohne WH-Mangel mit ihren Werten sehr wohl zwischen der 0,1. und 5. Perzentile liegen können (19). Im Gegensatz dazu ist die Akromegalie durch pathologisch erhöhte IGF-I-Spiegel gekennzeichnet, die offensichtlich den Schweregrad der Erkrankung besser reflektieren als WH-Messungen (17,18, 20).

Für konkrete Daten konsultieren Sie bitte die Arbeitsanweisung in der Download Box oben auf der rechten Seite.

  1. Baxter RC. 1986 The somatomedins: insulin-like growth factors. Adv Clin Chem.25:49-115
  2. Daughaday WH, Rotwein P. 1989 Insulin-like growth factors I and II. Peptide, messenger ribonucleic acid and gene structures, serum, and tissue concentrations. Endocr Rev. 10:68-91
  3. Spencer EM (Ed.) 1991 Modern Concepts of Insulin-Like Growth Factors. New York: Elsevier.
  4. Klapper DG, Svoboda ME, Van Wyk JJ. 1983 Sequence analysis of somatomedin-C: confirmation of identity with insulin-like growth factor-I. Endocrinology. 112:2215-2217.
  5. Rinderknecht E, Humbel RE. 1978 The amino acid sequence of human insulin-like growth factor I and its structural homology with proinsulin. J Biol Chem. 253:2769-2276.
  6. Clemmons DR, Van Wyk JJ. 1984 Factors controlling blood concen-tration of somatomedin C. Clin Endocrinol Metab. 13:113-143.
  7. Ballard J, Baxter R, Binoux M, et al. 1989 On the nomenclature of the IGF binding proteins. Acta Endocrinol (Copenh). 121:751-752.
  8. Drop SLS. 1992 Report on the nomenclature of the IGF binding proteins. J. Clin Endocrinol Metab. 74: 1215-1216.
  9. Martin JL, Baxter RC. 1986 Insulin-like growth factor binding protein from human plasma. Purification and characterization. J Biol Chem. 261:8754-8760.
  10. Binkert C, Landwehr J, Mary JL, Schwander J, Heinrich G. 1989 Cloning, sequence analysis and expression of a cDNA encoding a novel insulin-like growth factor binding protein (IGFBP-2). EMBO J. 8:2497-2502.
  11. Furlanetto RW, Underwood LE, Van Wyk JJ, D'Ercole AJ. 1977 Estimation of somatomedin-C levels in normals and patients with pituitary disease by radioimmunoassay.J. Clin Invest. 60:648 657.
  12. Daughaday WH, Kapadia M, Mariz I. 1987 Serum somatomedin binding proteins: physiologic significance and interference in radioligand assay. J Lab Clin Med. 109:355-363.
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  14. Daughaday WH, Mariz IK, Blethen SL. 1980 Inhibition of access of bound somatomedin to membrane receptor and immunobinding sites: a comparison of radioreceptor and radioimmunoassay of somatomedin in native and acid-ethanol extracted serum. J Clin Endocrinol Metab. 51:781-788.
  15. Ranke MB (ed.): Diagnostics of Endocrine Function in Children and Adolescents, Basel, Karger, 2003, pp 166-199
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  17. Clemmons DR, Van-Wyk JJ, Ridgway EC, Kliman B, Kjellberg RN, Underwood LE. 1979 Evaluation of acromegaly by radioimmunoassay of somatomedin-C.N.Engl J Med. 301:1138-1142
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  22. Wilson EM, Oh Y, Rosenfeld RG (1997) Generation and characterization of an IGFBP-7 antibody: Identification of 31 kD IGFBP-7 in human biological fluids and Hs578T human breast cancer conditioned media. J Clin Endocrinol Metab Vol 82, 4:1301-1303
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  25. Address NIBSC:Blance Lane, South Mimms, Potters Bar, Hertford EN 6 3 QG, Great Britain
  26. Burns C, Rigsby P, Moore M, Rafferty B. (2009) The first International Standard for Insulin-like Growth Factor-1 (IGF-1) for immunoassay: Preparation and calibration in an international collaborative study. Growth Hormone & IGF Research (2009)
  27. Blum WH, Breier BH (1994) Radioimmunoassays for IGFs and IGFBPs. Growth Regulation 4 (Suppl. 1):11-19
  28. Ranke MB, Osterziel KJ, Schweitzer R, Schuett B., Weber K., Röbbel P, Vornwald A, Blumenstock G, Elmlinger MB (2003) Reference Levels of Insulin-Like-Growth Factor I in the Serum of Healthy Adults: Comparison of Four Immunoassays. Clin Chem Lab Med Vol 41(10):1329-1334

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